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| Leseprobe: |
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Café
Andromeda |
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Eine phantastische
Reise durch die moderne Physik |
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Auszug
aus Kapitel 10:
„Seltsamer Besuch - Quantenphysik und Wirklichkeit“
In diesem Moment bemerkten Jan und Miri, dass etwas gegen die Schleusentür
pochte. Es klang nicht, als ob jemand anklopfte – sondern eher, als ob jemand
wieder und wieder einen Ball dagegenwarf. „Was ist das denn?“ fragte
Jan, aber Andy winkte ab. „Mit etwas Glück bleibt uns erspart, dass
wir uns auch noch damit rumärgern müssen. Geht ihr bitte mal zur Schleusentür
und passt auf, dass niemand reinkommt?“
„Klar, machen wir.“ Sie gingen nach hinten und lehnten sich gegenüber
der Schleuse an die Wand. Das Pochen hatte nicht aufgehört.
„Vielleicht ein nerviger Mechaniker“, vermutete Jan – und schrak
zusammen. Denn gerade kam etwas durch die verschlossene Schleuse geflogen. Eine
Art hellgrauer Ball, halb so gross wie ein Mensch.
„He!“ schrie Miri und versuchte, nach dem Ding zu greifen. „Stop!“
„Bittebittebittebitte... mitnehmen.... bittebitte...“
Nein, Jan hatte sich nicht verhört: Das Ding sprach. Es war kein Ball, sondern
eine Art Lebewesen. „Geh nicht zu nah ran“, riet er Miri. „Vielleicht
beisst es.“
Angelockt von all dem Lärm kam Andy Richtung Schleuse geeilt. Er funkelte
den grauen Ball an. „Fuzzy! Du schon wieder! Habe ich dir nicht schon tausendmal
gesagt, dass ich dich nicht mitnehmen kann?“
„Bittebitte...“ wimmerte der Ball. Jetzt kam Jan dazu, ihn genauer
zu betrachten. Auf den ersten Blick hatte es gewirkt, als habe der kleine Ausserirdische
ein Fell, doch wenn man näher hinschaute, sah man, dass er einfach irgendwie
unscharf und verschwommen war.
Seufzend wandte sich Andy an Jan und Miri. „Das ist ein Lebewesen von der
Welt, die sie Paulis Planet getauft haben. Ein Expeditionsteam hat es vor ein
paar Jahren mitgebracht. Seither sucht das deffige Vieh jemanden, der es zu seinem
Heimatplaneten zurücktransportiert.“
„Können wir das nicht machen?“ Miri hatte wieder diesen entzückten
Blick. Kein Zweifel, sie findet das Ding süss, dachte Jan.
„Geht nicht, unser Ziel liegt genau in der Gegenrichtung. Und ich brauche
diese Daten unbedingt.“ Mit strengem Blick fixierte Andy den Ausserdischen.
„Du verschwindest jetzt, Fuzzy, hast du gehört? Ich werde schauen,
was ich für dich tun kann. Aber im Moment können wir dich an Bord nicht
gebrauchen.“
„Wie hat er es eigentlich geschafft, durch die Schleuse zu kommen?“
fragte Jan. „Ich habe genau hingeschaut – die Tür war zu!“
„Ach, das. Es hat uns auch sehr überrascht, dass die Bewohner von Paulis
Planet Quanteneigenschaften haben. Sie verhalten sich sozusagen wie überdimensionale
Elementarteilchen.“
Jan lagen eine Menge Fragen auf der Zunge, aber Andy redete schon weiter. „Stell
dir eine Kugel vor, die vor einem kleinen Hügel liegt. Hätte sie genug
Bewegungsenergie, könnte sie darüberrollen. Hat sie in diesem Fall aber
nicht. Trotzdem kann´s sein, dass diese Kugel irgendwann auf der anderen
Seite des Hügels auftaucht. Sie hat sich durch ihn hindurchgetunnelt! Frizzy,
was? Allerdings hat sie dazu viele vergebliche Versuche gebraucht, weil die Wahrscheinlichkeit,
dass sie es schafft, sehr gering war.“
„Das ist unmöglich“, sagte Miri. „Dann könnten Menschen
doch auch durch Wände gehen. Man müsste nur lange genug dagegenrennen!“
Andy grinste. „Dabei würdest du dir nur eine Gehirnerschütterung
holen. Sowas geht nur in der Welt der Elementarteilchen, wo Quantengesetze herrschen.
In unserer Welt wirken sie sich nicht aus. Elektronen können tunneln –
können also Grenzen überwinden, obwohl es ihre Energie gar nicht erlaubt.
Sie können sich durch die Unschärferelation kleine Energiemengen ´leihen´.
Menschen nicht.“
„Ich denke,
Energie kann man nicht einfach so aus dem Nichts machen.“ Miri war empört.
„Kleine Mengen schon. Und auch nur kurz. Wenn man ein Teilchen ist.“
Jan blickte sich um. Der graue Ball war verschwunden. „He, Andy, Fuzzy ist
weg! Vielleicht hat er sich wieder nach draussen gebohrt...“
„Getunnelt meinst du. Ich fürchte nicht. Er ist furchtbar hartnäckig
und belästigt alle Astronauten auf Alpuri. Es wäre sehr nett, wenn ihr
den kleinen Simplo suchen und hinauswerfen würdet.“
„Wieso flimmert er eigentlich so komisch?“ fragte Jan. „Ist
das auch eine Quanteneigenschaft?“
„Allerdings. Weisst du noch, die Unschärferelation? Man kann seinen
Ort und seine Geschwindigkeit nicht exakt feststellen.“
Miri rebellierte. „Ich glaube ja eher, dass das ein messtechnisches Problem
ist!“
„Nein, es ist eine Eigenschaft“, beharrte Andy.
„Wie auch immer, wir gehen jetzt Fuzzy suchen“, kündigte Jan
an.
„Prima. Lasst euch am besten durch Pi helfen“, meinte Andy und ging
ins Cockpit zurück.
„Keine schlechte Idee“, sagte Miri und blickte unwillkürlich
nach oben. „Pi, wo ist Fuzzy gerade?“
„Die Wahrscheinlichkeit, dass er im Cockpit ist, beträgt 30 Prozent.
Die Wahrscheinlichkeit, dass er im Maschinenraum ist, beträgt 40 Prozent.
Mit jeweils 10 Prozent Wahrscheinlichkeit ist er im Maschinenraum, den Kabinen
oder dem Experimentierraum.“
„Kann man von dir auch eine vernünftige Antwort bekommen?“ beschwerte
sich Miri. „Pi, warum sagst du uns nicht einfach, wo das Vieh ist?“
Jan rollte mit den Augen. Hatte Miri überhaupt nichts mitgekriegt? Das hatte
Andy ihnen doch schon erklärt!
„Das geht nicht“, sagte Pi mit Verwunderung in der Bluessängerinnen-Stimme.
„Er ist überall zugleich, im Moment überlagern sich seine Möglichkeiten.
Erst wenn jemand, ihr zum Beispiel, ihn beobachtet, dann legt sich seine Position
fest.“
„Mir ist die normale Physik lieber“, stellte Miri trotzig fest. „Da
tritt irgendein Effekt auf, den kann man messen, und damit hat sich´s. Schwarz
oder Weiss, ja oder nein.“
„Ist schon in Ordnung“, sagte Jan. Miri hatte eben nicht so viel Phantasie
wie er. Normalerweise hatte das Vorteile. Jan bekam seit seiner Kindheit vorgeworfen,
er sei einfach ein Träumer. „Ich gehe jetzt zum Maschinenraum. Dort
ist er mit der grössten Wahrscheinlichkeit.“
Doch in diesem Moment meldete sich schon Andy über die Lautsprecher im Gang.
„Ihr könnt zurückkommen, Scouts“, sagte er und seufzte.
„Fuzzy ist gerade im Cockpit aufgetaucht.“
„Da war er also!“ murmelte Miri und setzte sich in Bewegung.
Doch Jan blieb nachdenklich. „Vielleicht war er nur deswegen dort, weil
Andy zuerst hingeschaut hat“, murmelte er. „Vielleicht hätten
wir ihn im Maschinenraum gefunden...“
Im Cockpit trieb Fuzzy sie beinahe zum Wahnsinn. Er tauchte unversehens mal hier,
mal dort auf, wischte umher, ohne dass sie ihn bei einer Bewegung beobachten konnten.
„Beachtet ihn einfach nicht – wahrscheinlich geht er dann irgendwann
von selbst“, empfahl ihnen Andy.
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