Leseprobe: Raphael kommt in die Schule
 
Cover Raphael

Raphael ist größer als die meisten anderen im Kindergarten. Und schneller rennen kann er auch. Trotzdem sagt Nikolas, der nebenan wohnt und schon acht ist, manchmal zu ihm: „Werd du erstmal groß!“ Das ärgert Raphael sehr.
Er läuft die Treppe zum Keller hinunter. Dort in seinem Arbeitszimmer sitzt Papa und sortiert irgendwelche Papiere mit vielen Zahlen.
„Papa, wann bin ich endlich groß?“, fragt Raphael.
„Na, wenn du dein eigenes Geld verdienst“, brummt Papa und vertieft sich wieder in seine Papiere.

Darüber muss Raphael nachdenken. Ein bisschen was hat er schon verdient. Als er mit Benny, Finn und Melissa auf dem Bürgersteig vor ihrem Haus einen Flohmarkt gemacht hat. Zählt das schon? Wenn nicht, dann kann er vielleicht auf einer Baustelle aushelfen. Das macht bestimmt Spaß! Oder er könnte als Straßenmusikant auftreten, schließlich geht er schon seit Jahren zur Musikschule.
„Ich arbeite ab jetzt als Straßenmusikant“, sagt Raphael. Doch Papa lächelt nur.

Raphael fragt lieber noch ein paar andere Leute, wann man groß ist.
„Wenn man wählen gehen darf“, sagt Frau Müller von nebenan.
„Wenn man den Führerschein und ein eigenes Auto hat“, sagt der Mann an der Tankstelle.
„Wuffhuff“, sagt der Nachbarshund.
Raphael ist enttäuscht. Bis er den Führerschein machen oder wählen gehen darf, dauert es noch ewig. Tausend Jahre mindestens.

Niedergeschlagen geht Raphael zurück nach Hause. Dort fällt ihm ein, dass er seine Mama noch gar nicht gefragt hat, wann man endlich groß ist. „Ist doch klar“, sagt die. „Wenn du zur Schule gehst und richtig gut lesen und schreiben lernst, gehörst du zu den Großen.“
Endlich eine Antwort, die Raphael gefällt. Schließlich kommt er im Herbst in die Schule! Ein bisschen Lesen kann Raphael auch schon. „Wann gehen wir eigentlich meine Schulsachen kaufen?“ fragt er.
Er weiß schon genau, wie sein Ranzen aussehen soll. Grün mit roten Drachen. Außerdem soll er ganz viele Seitentaschen haben.
Doch so einen Ranzen gibt es im Kaufhaus nicht. Raphael ist enttäuscht.
„Komm, probier mal einen von den anderen Ranzen aus“, sagt seine Mama. „Schau mal, da ist ein blauer. Der sieht doch auch toll aus.“
Findet Raphael auch. Also kauft Mama den blauen Ranzen mit den Rennautos. „Den bekommst du zum Geburtstag“, sagt sie. Dann besorgen sie und Raphael noch viele andere Sachen, die man in der Schule braucht. Mäppchen. Malsachen. Stifte. Schere und Kleber. Und einen Turnbeutel.

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