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Interviews:
Michael Krüger
"Ich kenne alle meine Autoren noch persönlich"
Michael Krüger ist Verleger des Carl Hanser Verlages (München), selbst
Lyriker und seit 20 Jahren Herausgeber der Literaturzeitschrift „Akzente".
Er lernte Verlagsbuchhändler/Drucker und gründete damals in Berlin die
Zeitschrift „Diagonale" mit: "Die ist inzwischen vergessen",
meint er, "wahrscheinlich mit Recht." Danach arbeitete er im Buchhandel
und bei verschiedenen Verlagen, bis er schließlich bei Hanser landete. Er
gibt dort unter anderem die renommierte Buchreihe "Akzente" heraus,
in der bisher 200 Bücher erschienen sind. Von ihm selbst sind bisher 12 Gedichtbände
und viele Romane und Novellen erschienen. Sein erstes Buch wurde 1976 veröffentlicht.
Als Lektor hat er oft mit Leuten zu tun, die ihren ersten Roman veröffentlichen.
Von sich selbst sagt er: „Ich habe immer zu denen gehört, die Literatur
auch vermitteln, der auch durch die Lande zieht und für die Literatur trommelt."
Wie haben Sie selbst Ihr erstes Buch „untergebracht"?
Ich wollte das gar nicht veröffentlichen, sondern habe erst einmal hier und
da Texte in Literaturzeitschriften veröffentlicht, zum Beispiel in manuskripte
oder Merkur, aber auch in Zeitungen, FAZ und so weiter. Dann ist damals ein Verlag
an mich herangetreten und wollte daraus ein Buch machen. Der damalige Verleger
von Hanser - dem Verlag, für den ich zu der Zeit schon arbeitete - hat gesagt:
„Nein, das machen wir selber." Das war mir eigentlich unheimlich, weil
dann möglicherweise gesagt hätte werden können, daß das Vetternwirtschaft
ist. Aber ich habe angenommen. Dann sind die ersten Bände hier erschienen
und die Prosa ist bei Klaus Wagenbach erschienen, mit dem ich ja zusammenarbeitete.
Wie kommen Sie mit Ihrer Doppelrolle als Autor und Verleger zurecht?
Die Zeit ist das einzige, mit dem ich Probleme habe. Ich kann entweder nur ganz
früh morgens oder ganz spät abends schreiben. Wenn man in so einem Verlag
arbeitet, ist man natürlich mit unendlich vielen Texten beschäft, mit
Büchern, die einen nicht loslassen und nicht schlafen lassen. Um mich auch
manchmal von Texten zu befreien, schreibe ich gerne selber. Dazu gehört alles
mögliche, irgendwelche Reden oder irgendwelche Einleitungen oder Vorworte,
einfach nur um meine Hand schreiben zu sehen. Sozusagen die eigene Handschrift
in irgendeiner Weise zu retten.
Ist es für einen Nachwuchsautor besser, zu einem großen oder einem
kleinen Verlag zu gehen?
Das weiß ich nicht. Wenn man heute einen genialen Roman geschrieben hat,
sollte man sich zunächst den Verlag aussuchen, der die Bücher gemacht
hat, die einem am meisten gefallen. Wenn dieser Verlag aus irgendeinem Grund von
der Genialität des Manuskripts nicht überzeugt ist, dann muß man
sich auf die Suche begeben und dann den zweitbesten Verlag suchen. Ich meine,
daß man ein bißchen darauf achten sollte, daß das eigene Buch
- unabhängig davon, wie es sich nachher verkauft - in Hände gerät,
die einem angenehm sind. Weil in aller Regel in den Verlagen ja Menschen sitzen,
die über einen bestimmten Geschmack verfügen. Wenn sie ein Buch nehmen,
von dem sie denken, es ist ganz gut, aber es liegt ihnen nicht sehr am Herzen,
dann wird man auf die Dauer bei diesem Verlag Schwierigkeiten haben. Wenn die
das Buch nehmen und sagen, jetzt verschwinden Sie bitte, jetzt haben wir den Vertrag
gemacht und jetzt gehört das Buch uns und jetzt werden wir damit machen,
was wir wollen, dann müßten Sie schon die Ohren aufstellen.
Es gibt ja auch unterschiedliche Bedürfnisse, denn Schriftsteller sind ja
eigentümliche Leute, und nicht jeder ist in jedem Verlag gut aufgehoben.
Manche Autoren suchen jemanden, mit dem man befreundet ist, mit dem man bestimmte
literarische Fragen besprechen kann. Andere suchen jemanden, der einem in psychischer
Not hilft. Dann geht man zu Verlagen, die auf sowas spezialisiert sind. Verlage
sind ja mittlerweile auch Agenturen für Schriftsteller geworden, um ihnen
zu helfen, Stipendien zu bekommen. Manche sind nicht in der Lage, mit Behörden
zu korrespondieren. Der Verlag hat ein Interesse daran, daß sich der Autor
auf den verschiedensten Ebenen a) sich wohlfühlt, b) Aufmerksamkeit bekommt,
weil das ja auch wieder auf den Verlag zurückfällt.
Kann man davon ausgehen, daß der Lektor das Buch von selbst zu allen
in Frage kommenden Preisen einreicht, oder sollte man ihn darum bitten?
Natürlich, dazu werden wir aufgefordert. Man kann nicht davon ausgehen, daß
ein Lektor das von alleine macht, aber es kommt darauf an: Es gibt einen Lektor-Typus,
der sich rundum und vollkommen um einen Autor kümmert. Es gibt Autoren, die
das gar nicht wollen. Das ist das amerikanische Prinzip: Der Schriftsteller sitzt
irgendwo in Arizona, der Verlag ist in New York, die haben sich in ihrem Leben
nie gesehen. Die kriegen irgendwann die Fahnen zugeschickt mit Korrekturvorschlägen,
dann telefoniert man mal, und damit hat sich´s. Es kommt eben drauf an,
was für eine psychische Kondition und Lebenskonzeption man hat. Es gibt Autoren,
die gerne auf einer griechischen Insel sitzen und nicht eingeladen werden wollen,
in Paderborn zu lesen. Es gibt Autoren, die in Osnabrück leben und sehr gerne
in Paderborn lesen wollen. Und das muß ja der Lektor wissen, der muß
ja seinen Autor in- und auswendig kennen.
Ich kenne meine Autoren noch alle persönlich.
Wieviele unverlangte Manuskripte bekommt Hanser zugeschickt?
Ich habe das nicht gezählt, aber es ist enorm viel, jeden Tag eine Kiste
voll. Fast habe kommt es mir so vor, als würde es immer mehr. Natürlich
ist dieser Eindruck subjektiv, weil man älter wird und nicht mehr so frischfröhlich
die Spreu vom Weizen trennen kann. Aber ich nehme an, die Menge ist in etwa gleich
geblieben.
Ist es sinnvoll, daß ein Autor telefonisch beim Verlag vorfühlt,
ob er Interesse an einem Manuskript hat?
Es kommt vor, daß Leute das machen. Vollkommen sinnvoll. Aber auch auf der
Buchmesse werden mir Texte angeboten, wenn ich alles mögliche zu tun habe
und nicht noch Manuskripte entgegennehmen möchte. Das kann ich mir gar nicht
merken. Außerdem hängt viel von der Sprache ab. Wenn zum Beispiel jemand
kommt und sagt, ich habe einen Roman über meine Schwiegermutter geschrieben,
was sagt das schon? Auch ein Vargas Llosa hat über die Schwiegermutter
geschrieben.
Wie sollte das Anschreiben aussehen?
Manche schreiben entsetzlich lange Briefe für ganz dünne Bücher.
Da wundere ich mich, weil ich denke, ich muß ja das Manuskript lesen. Wenn
mir jemand schon die Deutung seines Buches erklärt, dann habe ich schon fast
keine Lust mehr, mich mit der Sache weiter zu beschäftigen. Entweder man
liest das Manuskript und hat seine Freude dran und versucht sich vorzustellen,
diesen Autor im Verlag zu haben, oder aber nicht.
Ist es ratsam, ein Probekapitel zu schicken statt des ganzen Manuskripts?
Anhand eines Probekapitel kann man sehen, wes Geistes Kind der Autor oder die
Autorin ist. Aber wenn das einigermaßen interessant ist, möchte ich
natürlich auch das ganze Manuskript lesen.
Werten Sie es positiv, wenn ein Autor schon Lesungen gemacht hat etc.?
Es interessiert mich erst einmal nicht sonderlich. Nachher, wenn ein Buch angenommen
ist, ist es natürlich ganz gut, wenn ein Autor lesen kann. Ich kenne Autoren,
die sind vollkommen unfähig vorzulesen. Das ist so grauenhaftes Gestopsel
und die kriegen das Maul nicht auseinander, es ist furchtbar. Deshalb geht man
als Profi auch so ungern auf Autorenlesungen. Weil man sich sagt, diese zehn Seiten
lese ich auch besser zuhause, da muß ich nicht das Gestammel anhören.
Lesungen sind ja nichts anderes, außer daß man den Autor sieht oder
seine Stimme hört. Aber sie soll ja auch für das Buch werben. Das heißt,
man soll ja eigentlich versuchen, die Leute so zu interessieren, daß sie
den Rest lesen wollen. Das ist doch der Sinn einer Lesung.
Worauf sollte man achten, wenn man eine Lesung hält?
Man sollte sehr genau auswählen, was man vorliest, und das Vorzulesende so
vortragen, daß jemand Interesse an dem Buch hat. Man sollte sich nicht gerade
hinsetzen und sagen, ich les jetzt mal ein Kapitel aus diesem Roman über
meine Frau, wie sie mit ihrer Freundin ein Verhältnis angefangen hat, sondern
dman sollte versuchen, diesen komplexen Roman in zehn Minuten so darzustellen,
daß die Leute auch eine Vorstellung davon haben, wer da spricht. Ich kenne
Lesungen von Autoren, die das überhaupt nicht gemacht habe, wo man dachte,
man ist in eine Gruppe von Irren gekrochen, die erzählen da irgendwas von
Herta, Susi und Hans-Peter, ohne daß man weiß, wo die herkommen und
wo die hingehen. Die Lesevorstellung ist außerordentlich wichtig, und wenn
ich das Publikum überhaupt nicht ernst nehme, weil mir das vollkommen wurscht
ist, weil ich denke, Buch ist eh gedruckt, gut, das gibt´s. Aber eigentlich
ist meine Aufgabe, gefälligst mein Publikum zu überzeugen.
Was kann ein Autor nach der Veröffentlichung noch für sein Buch tun?
Er kann viel tun. Sehr gut ist es, wenn der Autor eine sehr große Familie
hat, die in dem Buch beleidigt wird, dann wird die Familie das Buch wahrscheinlich
kaufen. Das gibt´s immer wieder. Zweitens ist es gut, wenn der Autor eine
lokale Berühmtheit gut ist, denn dann möchte man ihn natürlich
lesen, weil man denkt, der sitzt an seinem Schreibtisch und macht überhaupt
nichts, und plötzlich ist ein Buch da. Drittens ist der Autor natürlich
ein Interpret seines Buches. Wenn er jemand davon überzeugt, ob das ein Leser
oder ein Kritiker ist, dann kann das ja wichtig sein. Er soll nur nicht den Versuch
machen, den Kritiker einer Zeitung einen langen Brief zu schreiben über die
Bedeutung seines Buches, dann wird der Kritiker es höchstwahrscheinlich nicht
mehr lesen wollen.
Wenn man ein Buch geschrieben hat und möchte, daß alle Welt das liest,
dann muß man versuchen, soviel wie möglich Menschen davon zu erzählen.
Das kann man am Biertisch tun, das kann man in der Buchhandlung tun, das kann
man bei Lesungen tun, das kann man im Rundfunk tun, das kann man sonstwo tun.
Aber Sie wissen ja, man kann im Jahr um die 2.000 Leute erreichen, und wenn man
dann so gut ist, daß diese 2.000 Leute das Buch kaufen wollen, das ist ja
schon eine Riesenauflage. Manche Leute lesen sich ihr Publikum buchstäblich
zusammen. Die machen 50 Lesungen und haben dann ein Publikum, wenn sie gut lesen
und überzeugend sind.
Akquirieren Sie Autoren auch aktiv?
Ja, natürlich, wir schauen uns die Zeitschriften an. Ich habe ein Austauschabo
mit sicher hundert Zeitschriften. Wenn sie eintreffen, sehe ich sie durch, und
wenn mein Blick irgendwo haften bleibt, ich Zeit habe, dann lese ich das auch.
Deutschland ist in dieser Hinsicht ja ein Paradies, es gibt genügend Zeitschriften,
wo auch immer wieder was Schönes drinsteht. Wenn ich da Manuskripte lese
und mir gefällt irgendwas, dann rufe ich den Herausgeber an und frage: „Wer
ist denn das, hat der schon was geschrieben, ich würde gerne mehr sehen."
Na sicher habe ich auf diese Art schon Autoren gefunden.
Was halten Sie von Druckkostenzuschüssen?
Wenn jemand verzweifelt darauf hofft, irgendwie mal ein Buch zu haben, gerade
bei Gedichten, und kriegt es einfach unter, da wird er halt sagen: „Ich
spare jetzt ein bißchen, bis ich 10.000 Mark habe, und dann drucke ich mir
das selber. Und das verschenke ich an meine Freunde, für die habe ich das
auch geschrieben." Dagegen ist gar nichts zu sagen. Dann kriegt man irgendeinen
Prospekt, da steht man drin und freut sich.
Sollte man sich von einem Agenten vertreten lassen?
Das ist unbedingt empfehlenswert. Es machen auch immer mehr deutsche Autoren,
denn Agenten sind natürlich intelligente Leute, quasi Vor-Leser. Wenn mir
ein Agent etwas anbietet, dann gucke ich das auf jeden Fall an. Ich weiß,
die Frau soundso und der Herr Soundso, die werden das auch gelesen habe, sonst
hätten die es ja nicht zur Vermittlung angenommen. Wir arbeiten mit einigen
Agenten zusammen.
Bekommen Sie auch viele Autoren über Empfehlungen?
Ja, Gott sei Dank. Wenn ein Autor einen anderen Autor trifft, und es funkt, das
ist ja wie zwei Tischler, die sich darüber unterhalten, wie man einen Tisch
macht. Wenn der Bekannte A sagt, ich habe jemanden getroffen, der ganz wunderbar
ist, dann kucke ich mir den natürlich an. Ist ja klar, weil ich mit den Augen
von A lese. Ich habe viele Freunde, die mir gelegentlich was zuschicken und sagen:
„Schau mal, willst du das nicht mal angucken", und ich sage: „Klar".
Wie sieht der Entscheidungsweg im Verlag aus, wenn Ihnen ein Manuskript gefällt?
Es gibt hier ein Committee de la lecture, das besteht aus den gesamten Lektorat.
Da sitzt man zusammen und bespricht die Projekte. Wenn das ein neuer Autor ist,
dann übernimmt man ja auch Verantwortung. Es ist ja nicht nur, daß
man 40.000 Mark zahlen muß für Druck und Werbung und so weiter, es
gibt ja auch einen Verlagsvertrag, der einen dazu verpflichtet, sich um das Buch
zu kümmern. Also muß man sich sehr genau überlegen, will man diesen
Autor. Man möchte ihn danach ja auch nicht gleich wieder verlieren, sondern
man denkt ja dann, vor allem wenn es ein junger Mann oder eine junge Frau ist,
daß man mit dem auch eine Strecke seines Lebens geht und versucht, das entstehende
Werk zu begleiten. Also versucht man alle Faktoren, die dafür oder dagegen
sprechen, einen solchen Autor zu übernehmen, abzuwägen, bis mann dann
zu einer Entscheidung kommt. Die letzte Entscheidung treffe ich, weil ich den
Kopf dafür hinhalten muß.
Ist Verlagstreue denn noch üblich?
Es kommt auf beide an. Wenn ich mich dem Autor gegenüber sehr korrekt verhalte
und seine Bücher auch angemessen verkaufe, wird er auch treu bleiben. Es
gibt aber auch Fälle, wo ich den Autor überhaupt nicht durchsetzen kann,
wo es vielleicht klug ist, den Verlag zu wechseln. Es kann sein, daß ich
zehn Bücher mit diesem Autor mache und keiner will sie haben. Ich kenne das,
ich habe das schon erlebt. Es gibt natürlich auch Fälle, daß der
Autor sagt: „Der andere Verlag zahlt mir so viel Geld, der zahlt mir zwei
Jahre ein Gehalt, ich kriege da jeden Monat 3.000 Mark überwiesen, da kann
ich das Buch schreiben, kannst du das auch tun?" Wenn ich das nicht kann
- und das ist ja eine Frage der Finanzierung, ein kleiner Verlag wird das nicht
können. Wenn der Autor aber schreiben will, wird er wahrscheinlich dieses
Angebot annehmen. Jeder Autor will soviel Geld wie möglich für seine
Arbeit haben, das ist normal, das überrascht mich auch nicht. Das gehört
zum Selbstbewußtsein des Autors. Aber jeder Verlag weiß auch, wieviele
Bücher man verkaufen kann, wieviel Honorar da drin ist. Es kommt auch vor,
daß Honorarforderungen scheitern.
Was halten Sie von Autoren-Workshops?
Ich habe überhaupt nichts dagegen, wenn den Leuten da nicht beigebracht wird,
stromlinienförmig zu schreiben. Häufig machen das Leute, die in ihrer
näheren Umgebung keinen haben, mit denen sie darüber reden können.
Manchmal gibt es Ehefrauen, die sich nicht trauen, das ihrem Mann zu sagen und
sagen, sie fahren das Wochenende zur Tante, und in Wirklichkeit sind sie auf einem
Creative-Writing-Kurs. Andere haben Jahre versucht, in ihren lokalen Zusammenhängen
ein Echo zu finden und haben es nicht gefunden. Die fahren dann 500 Kilometer
weit und machen einen solchen Workshop mit.
Sie haben selbst auch Seminare abgehalten. Haben Sie sie in guter Erinnerung?
Ja, es waren sehr interessante Gespräche, und es war spannend, wie viele
verschiedene Individualisten aufeinanderprallten. Bei mir mußte jeder etwas
vorlesen und die anderen sollten das kritisieren. Einige in der Gruppe waren Rocksänger,
die Gedichte schreiben darüber, wie es ist, ein Rocker oder ein Punker zu
sein, und eine Teilnehmerin war eine feine Dame, die Gedichte auf eine Tulpe schrieb.
Die war natürlich verloren. Ich habe da auch viele Tränen erlebt. Ich
mußte mich dann mit der Tulpenfrau verbünden, um ihr Schutz zu geben,
obwohl die sicherlich die schlechteste war. Als sie gelesen hat, habe ich gesagt,
das ist herrlich. Und damit war sie gerettet.
Was für
Tips haben Sie sonst noch für Nachwuchsautoren?
Die Hauptsache, die ein junger Schriftsteller tun muß, ist lesen. Ich wundere
mich immer, wenn ich junge Autoren treffe, wie wenig die gelesen haben. Die interessieren
sich eigentlich überhaupt nicht für Literatur. Das finde ich merkwürdig.
Es gibt da natürlich den Autor, der Literatur förmlich frißt und
da auch wunderbar drüber reden kann. Aber ich sehe es oft so in den Einsendungen,
da ist auch viel Mist dabei, klar, aber keiner bezieht sich irgendwie auf andere
Autoren, keiner hat ein Referenzsystem, bei dem man sagt, ach, das ist aber interessant.
Ich fände es zum Beispiel faszinierend, wenn jemand sich für einen abseitigen
russischen Autor interessiert und schreibt, das ist für ihn das große
Vorbild gewesen. Man muß nur aufpassen, daß das Vorbild nicht immer
größer ist.
Herr Krüger, vielen Dank für das Interview. |